Konzept

Unser Einrichtungs- und Rehabilitationskonzept fußt auf einem biopsychosozialen Modell. In diesem Modell wird davon ausgegangen, dass sowohl die Ursachen, wie auch die Auswirkungen einer Erkrankung auf der körperlichen, der psychischen sowie auf der Ebene der sozialen Umwelt liegen. Aus diesem Grund muss auch die Behandlung der Erkrankung auf allen drei Ebenen ansetzen. In der Therapie arbeiten wir nach den Konzepten der Transaktionsanalyse, der kognitiven Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie.

Zielgruppe

Hauptsächlich werden in unserer Einrichtung Klienten mit Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis, mit affektiven Störungen sowie schweren Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgenommen, deren Beeinträchtigungen Auswirkungen in der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und Teilhabe am Arbeitsplatz nach sich ziehen. Kontraindikation sind primäre Suchterkrankungen sowie geistige oder körperliche Behinderungen.

Unser multimodaler Therapieansatz hat seinen Schwerpunkt auf den von Klaus Grawe, dem berühmten Psychotherapieforscher, identifizierten Hauptfaktoren, die für eine erfolgreiche Therapie nötig sind.

Therapeutische Beziehung

In der Vorgeschichte unserer Klienten finden sich häufig frühe Bindungsstörungen, Beziehungsstörungen sowie Beziehungsabbrüche. Diese negativen Beziehungserfahrungen beschränken sich nicht nur auf das private Umfeld, sondern wiederholen sich oft auch im Rahmen therapeutischer Beziehungen. Vor allem Klienten, die schon auf eine längere Krankheitsgeschichte mit vielen stationären Aufenthalten zurückblicken, werden durch die Erfahrung, dass therapeutische Beziehungen durch die Klinikentlassung immer wieder abrupt beendet werden, weiter verunsichert. Wir sind übereinstimmend mit Klaus Grawe der Meinung, dass Veränderung nur auf dem Boden einer vertrauensvollen Beziehung entstehen kann. Aus diesem Grund liegt ein Schwerpunkt unserer therapeutischen Tätigkeit auf dem Versuch, eine tragfähige, sichere und verlässliche therapeutische Beziehung im Rahmen der Möglichkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Klienten aufzubauen. In dieser Beziehung kann sich die therapeutische Bezugsperson dossiert als Persönlichkeit öffnen und auch Körperkontakt (z.B. in den Arm nehmen) ist in einem klar definierten Rahmen möglich. Eine Methodik, nach der wir arbeiten ist das sogenannte „reparenting“. Hier können auf Wunsch des Klienten Verträge mit einzelnen Bezugspersonen geschlossen werden, die dem Klienten zu mehr Beziehungssicherheit verhelfen. Da sich in unserer Einrichtung schwerpunktmäßig jüngere Klienten zwischen 20 und 30 Jahren befinden, ist für einige, neben der Behandlung der eigentlichen Krankheitssymptomatik, eine allgemeine Nachreifung von Nöten. Auch diese kann, wie entwicklungspsychologische Studien zeigen, nur im Rahmen einer verlässlichen, stabilen Beziehung mit einem persönlich involvierten Gegenüber erfolgen.

Neben der therapeutischen Beziehung zu Mitarbeitern, stellen die Beziehungen zu Mitbewohnern in der therapeutischen Gemeinschaft einen weiteren wichtigen Faktor da. Im Rahmen dieser Bezüge sind noch mehr, als in der therapeutischen Beziehung, authentische, unmittelbare und gleichwertige Beziehungserfahrungen möglich. Aus diesem Grund halten wir es für wichtig, die Auseinandersetzung der einzelnen Klienten miteinander, mit alltagsstrukturierenden Regeln und Regeln des Sozialverhaltens zu fördern und die Klienten im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch in die Therapie der anderen Klienten mit ein zu beziehen. Sich von dem häufig entwicklungs- und krankheitsbedingten Egozentrismus zu lösen, sich auf andere Menschen zu beziehen und dossiert auch Verantwortung für diese zu übernehmen, stellt ein wichtiges Ziel unseres therapeutischen Konzeptes dar. Daher befinden sich in unserer Einrichtung z.B. keine Einzelzimmer, der häufig bestehenden Rückzugstendenz wird durch eine feste Tagesstruktur entgegengewirkt. Auch liegt der Schwerpunkt therapeutischen Handelns auf der Gruppe und weniger auf dem therapeutischen Einzelkontakt.

Ressourcenaktivierung

Häufig machen Klienten, vor allem diejenigen mit einer längeren Krankheitsvorgeschichte, die Erfahrung, ihre Person und ihr Leben auf Probleme und Symptome reduziert zu sehen. Diese einseitige Sichtweise führt zu einer weiteren Demotivation der Klienten und Hoffnungslosigkeit bezüglich der eigenen Veränderungsmöglichkeiten. In der therapeutischen Arbeit legen wir aus diesem Grund Wert darauf, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Interessen gemeinsam mit dem Klienten (wieder) zu entdecken und diese Ressourcen als Grundlage der individuellen Therapieplanung zu nutzen. Daher liegt ein Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit darauf, dass die Klienten Aktivitäten und Hobbies außerhalb der Einrichtung nachgehen und Kontakte außerhalb des therapeutischen Settings aufbauen und pflegen.

Problemaktualisierung

Neben dem Auffinden und Fördern individueller Ressourcen, halten wir es ebenfalls für unerlässlich, den Klienten die Möglichkeiten zu geben, auch ihre Schwierigkeiten und Problemen so realitätsnah wie möglich erfahren zu können. So kann nach und nach eine adäquate Auseinandersetzung mit diesen erreicht werden. Die therapeutische Gemeinschaft soll daher so weit wie möglich einen Realraum darstellen. Dies beinhaltet z.B., dass alle alltäglich anfallenden Aufgaben, wie Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen etc. von den Klienten so selbständig wie möglich übernommen werden. Auch die Verwaltung von Finanzen, die Einnahme von Medikamenten oder die Klärung behördlicher Angelegenheiten soll nur bei Bedarf mit Unterstützung von außen erfolgen.

Therapeutische Klärung

Einige Klienten kommen zwar mit vielen Diagnosen aber wenig Klarheit über die Art, die Entstehung oder die aufrechterhaltenden Faktoren ihrer Erkrankung in unsere Einrichtung. Wir halten es übereinstimmend mit Klaus Grawe jedoch für immens wichtig, dass die Klienten, im Sinne des Selbstmanagementansatzes, Verantwortung für sich, ihr Leben und auch ihre Erkrankung übernehmen. Dies ist nur möglich, wenn die Klienten durch Information zum Experten für ihre Erkrankung und auch ihre Gesundung werden. Daher legen wir Wert auf eine ausführliche Psychoedukation sowie auf therapeutische Gesprächsgruppen, die Einblick in die der Problematik zugrundeliegenden Strukturen geben sollen. Auf dieser Basis wird es möglich, nach und nach eine gemeinsame Sprache zwischen therapeutischen Mitarbeitern und Klienten zu entwickeln. Zusätzlich soll die Introspektionsfähigkeit der Klienten durch verschiedene Methoden wie z.B. Gefühlstagebücher geschult werden. Sowohl die Therapieplanung, als auch der Verlauf, wird stets gemeinsam mit dem Klienten entwickelt und es wird in allen therapeutischen Entscheidungen auf maximale Transparenz geachtet.

Aktive Hilfe zur Problembewältigung

Verschiedene therapeutische Strategien und Methoden der Transaktionsanalyse, der Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie kommen zur Erreichung der individuellen Therapieziele der Klienten zum Einsatz. Ein wichtiges Standbein ist eine klare Tagesstruktur und feste Regeln, die den Klienten vor allem in der Anfangszeit des Aufenthaltes oder in Krisenzeiten Halt und Sicherheit vermitteln sollen. Jedoch kann von jeder Regel auch eine Ausnahme verhandelt werden. Hierin bildet sich das oben beschriebene Konzept der Eigenverantwortung des Klienten für die Therapie ab. Neben diesen Grundkonzepten werden verschiedene spezifische Verfahren und Methoden eingesetzt, die im Einzelnen unter dem Punkt Leistungen beschrieben sind.

Insgesamt ist unser gesamtes therapeutisches Handeln von dem Grundsatz geprägt: „Veränderung ist möglich - auch bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen!“